Eine gute Schule

Originaltitel: A Good School

Autor: Richard Yates
Übersetzer: Eike Schönfeld

Klappentext:

„Das Haar hängt ihm fettig in die Stirn, sein fadenscheiniges Hemd ziert ein Muster aus Flecken. William Grove, fünfzehn Jahre alt und gerade als Stipendiat an der Dorset Academy angenommen, wird schnell der Stempel aufgedrückt: Mit diesem »Zigeuner« möchte keiner der Jungen im Internat etwas zu tun haben. Denn Grove kann nicht verbergen, dass er aus proletarischen Verhältnissen stammt. Doch genau das soll er an der Dorset, Hort englischer Erziehungstraditionen, lernen – seine Mutter hofft, dass ihrem Sohn sich so die Türen zur höheren Gesellschaft öffnen, die ihr, der großen Künstlerin, verschlossen geblieben sind, trotz aller Bemühungen.

Glaubwürdig und mit viel Feingefühl gelingt es Richard Yates, dem Meister der klaren Worte, das psychologische Porträt eines Jungen zu zeichnen, der seinen Platz in der Gesellschaft noch finden muss. …“

Presseinformation des Verlags:

20. Todestag des Autors am 07. November 2012.

„William Grove kommt zu Beginn der 1940er Jahre als Stipentiat an die Dorset Academy, ein kleines Internat in Neuengland. Das Haar hängt dem Fünfzehnjährigen fettig in die Stirn, sein fadenscheiniges Hemd ziert ein Muster aus Flecken. Schnell wird ihm der Stempel aufgedrückt: Mit diesem »Zigeuner« möchte keiner der Jungen etwas zu tun haben. Aber William ist nicht der Einzige an der Schule, der um Anerkennung kämpft – da ist noch der Erzieher Jack Draper, den seine Frau mit einem Kollegen betrügt, und Edith Stone, die als Tochter des dienstältesten Lehrers eine benachbarte Mädchenschule besucht und ein Auge auf Larry, den beliebtesten Jungen der Dorset, geworfen hat. Doch was sind diese Alltagsprobleme angesichts des drohenden Kriegseintritts der USA?

»Eine gute Schule« ist wohl Yates‘ persönlichster Roman, bevölkert mit einigen seiner unvergesslichsten Charaktere; eine sanfte tief bewegende Meditation über das Ungefähr der Jugend und die Auswirkung des Kriegs auf eine unschuldige Generation.“

Zum Todestag die Biographie des Autors:

»Der fatale Glaube an das Glück. Richard Yates – sein Leben, sein Werk« von Rainer Moritz, erschienen am 03.09.2012 bei DVA

Eine Leseprobe:

Vorwort

„Als junger Mann studierte mein Vater im Staat New York Gesang. Er hatte eine schöne, disziplinierte Tenorstimme, in der sich große Kraft mit großer Zartheit verband; ihn singen gehört zu haben zählt zu den schönsten meiner frühen Erinnerungen.
Ich glaube, er hat einige Male professionelle Engagements gehabt, in Städten wie Syracuse, Binghampton und Utica, doch es gelang ihm nicht, das Singen zum Beruf zu machen, stattdessen wurde er Handelsvertreter. Ich nehme an, es war als eine Art Übergangslösung gedacht, als er sich der General Electric Company in Schenectady anschloss, damit ein paar Dollar hereinkamen, während er weiter nach Engagements suchte, doch es dauerte nicht lange, dann hatte die Firma ihn geschluckt. Mit vierzig, als ich geboren wurde, lebte er schon längst in der Stadt und hatte sich in der Tätigkeit eingerichtet, die er den Rest seines Lebens ausüben sollte, als stellvertretender Regionalverkaufsleiter in der Sparte Mazda-Lampen (Glühbirnen). …“

Bei gesellschaftlichen Anlässen wurde er immer noch gebeten zu singen – »Danny Boy« schien allgemein der Lieblingswunsch zu sein –, und manchmal sang er dann auch, doch in späteren Jahren lehnte er immer häufiger ab. Drang man in ihn, trat er einen Schritt zurück und machte eine kleine verneinende Handbewegung, wobei er lächelte und zugleich die Stirn runzelte: Das alles, schien er zu sagen – »Danny Boy«, die Jahre im Norden, das Singen selbst –, sei doch Vergangenheit.

Sein Büro im General-Electric-Gebäude war kaum groß genug für einen Schreibtisch und eine gerahmte Fotografie von meiner älteren Schwester und mir, als wir noch klein waren; in diesem Kabäuschen verdiente er das, was er eben brauchte, um meiner Mutter jeden Monat, Jahr um Jahr, das Geld zu schicken, um das sie ihn bat. Sie waren fast so lange geschieden, wie meine Erinnerung zurückreicht. Er liebte meine Schwester sehr – das dürfte auch der Hauptgrund für seine nie nachlassende Großzügigkeit uns gegenüber gewesen sein; er und ich dagegen schienen, ungefähr ab meinem zwölften Lebensjahr, ständig voneinander irritiert zu sein. Zwischen uns herrschte offenbar immer die stillschweigende Übereinkunft, dass ich mit der Scheidung in den Besitz meiner Mutter übergegangen war.
In dieser Annahme lag ein Schmerz – für uns beide, würde ich sagen, auch wenn ich nicht für ihn sprechen kann –, aber auch eine ungute Gerechtigkeit. Sosehr ich es mir auch anders wünschen mag, bevorzugte ich eben doch meine Mutter. ich wusste, sie war unvernünftig und verantwortungslos, sie redete zu viel, sie machte wegen nichts irrwitzige Szenen, und man konnte darauf rechnen, dass sie in einer Krise zusammenbrach, doch ich war allmählich zu der düsteren Ahnung gelangt, dass ich womöglich ganz ähnlich strukturiert war. In einer Art und Weise, die weder hilfreich noch besonders angenehm war, gereichten sie und ich einander zum Trost. …“

Pressestimmen:

  • DIE WELT, 29.12.2012: „Denn zu Richard Yates an Flaubert geschulter emotionaler Unbeeindruckbarkeit, die ihn die Dinge schonungslos schildern lässt, wie sie nun mal sind (in all ihrer Erbärmlichkeit und Pein), gesellt sich eben auch hier wieder die zweite große Qualität dieses begnadeten Erzählers: sein Mitgefühl, sein Vermögen, vom Scheitern seiner Figuren so zu berichten, dass wir als Leser trotz allem berührt, ja gerührt sind. Auch »Eine gute Schule« ist wieder ein zutiefst humanes Buch. Ein großer Kenner der menschlichen Seele ist am Werk. Und ein großer Könner syntaktischer Verknappung.“
  • Stewart O’Nan: „In »Eine gute Schule« zeigt Richard Yates am offensten, wie viel Liebe und Mitgefühl er seinen Charakteren entgegenbringt. Das tut er so verführerisch, dass uns anderen gar nichts übrig blieb, als ihm nachzueifern.“
  • Bayerischer Rundfunk: „Ein Meister der Sprache. Klar und messerscharf: Kein Wort ist zuviel und trotzdem ist alles gesagt.“

Eigene Meinung / Beurteilung des Buches:

Fazit:

»Erziehung besteht aus zwei Dingen: Beispiel und Liebe.«

Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782 – 1852),
war ein deutscher Pädagoge und Schüler Pestalozzis.

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Buchcover:

Eine gute Schule von Richard Yates erschienen in der Deutsche Verlags-Anstalt

Eine gute Schule von Richard Yates erschienen in der Deutsche Verlags-Anstalt

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Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; 1 Auflage: (3. September 2012).
Seitenanzahl: 240 Seiten.
Bindung: gebundene Ausgabe.
ISBN-10: 3-421-04394-9.
ISBN-13: 9-783421-04394-8.
Preis: EUR 19,99.


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