Der unterlegene Mensch

Die Zukunft der Menschheit im Angesicht von Algorithmen,
künstlicher Intelligenz und Robotern

Digitalisieren wir uns mit Algorithmen,
künstlicher Intelligenz und Robotern selbst weg?

Autor: Prof. Dr. rer. nat. Armin Grunwald

Klappentext:

„Alle reden von Digitalisierung. Wunderbare Zukunftsperspektiven werden entworfen. Komfort und Wohlstand, mehr Gesundheit und möglicherweise die digitale Unsterblichkeit warten auf uns. Diese neuen Annehmlichkeiten sind aber nur die eine Seite der Medaille. Zunehmende Abhängigkeit von digitalen Technologien, das Risiko totaler Überwachung, massenweise Übernahme menschlicher Arbeitsplätze durch Roboter, die Manipulation öffentlicher Meinung, der drohende Kontrollverlust des Menschen über die Technik – diese andere Seite zeigt bedrohliche Züge. In diesem Buch entwirft der Physiker, Philosoph sowie Deutschlands führender Technikfolgenabschätzer Armin Grunwald ein kritisches Bild der Welt von morgen und zeigt auf, womit wir zu rechnen haben, wenn wir die Digitalisierung nicht bewusst gestalten und uns selbst komplett ersetzbar machen.“

Presseinformation des Verlags:

Idee: Gespräch mit Armin Grunwald,
Deutschlands führendem Technikfolgenabschätzer

Julian Nebel (Münchner Verlagsgruppe GmbH): „Armin Grunwald ist Professor für Technikphilosophie am KIT (Karlsruher Institut für Technologie). Er ist promovierter Physiker und habilitierte sich in Philosophie. Eine eher seltene Mischung, die ihn zu Deutschlands führendem Technikfolgenabschätzer macht. Er leitet auch das Institut für Technikfolgenabschätzung in Karlsruhe und das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag.

Ich erzähle Ihnen das, weil Prof. Dr. Armin Grunwald nun im riva Verlag das Buch »Der unterlegene Mensch« veröffentlicht. Er schreibt darüber, wie die Technisierung und Digitalisierung unser aller Alltag verändern wird. Nicht nur das Verkehrswesen, sondern auch Gesundheit und Pflege, wie die Digitalisierung unsere Demokratie verändern wird, oder auch das Menschenbild selbst.

Ich möchte Ihnen das Buch und Armin Grunwald sehr ans Herz legen. So abstrakt das erst einmal klingt, so konkret, verständlich und anschaulich kann er erzählen. Ich persönlich finde es ein ganz tolles Buch, das Aufmerksamkeit verdient“.

Eine Leseprobe:

VORWORT

„Der Titel dieses Buches verkündet Unheil: Der Mensch scheint der digitalen Technik, seiner eigenen Schöpfung, zusehends unterlegen. In immer mehr Bereichen übertreffen uns Roboter und Algorithmen. Vielleicht digitalisieren wir uns allmählich weg. Das ist Stoff für die Erzählungen vom Ende der Menschheit, wie wir sie aus Science-Fiction-Romanen und aus Kino- und Fernsehfilmen wie etwa der Matrix-Trilogie oder Transcendence kennen. Der prickelnde Schauer des Untergangs sichert Einschaltquoten und Besucherzahlen. Derlei Unterhaltung weiß auch ich zu schätzen.

Nun bin ich im Grunde ein optimistischer, zumindest ein gelassener Mensch. Ich neige nicht zu Zukunftsängsten und Katastrophenbefürchtungen. Natürlich sehe ich, dass der sogenannte Fortschritt nicht einfach nur Fortschritt ist. Denn leider bringen die angenehmen und gewünschten Effekte unweigerlich auch, wie es in Mediziner- und Apothekersprache heißt, Risiken und Nebenwirkungen mit sich. Mein Fach, die Technikfolgenabschätzung, wurde vor über fünfzig Jahre erfunden, um möglichst verantwortlich mit dieser Janusköpfigkeit des technischen Fortschritts umzugehen. Wir sollen und wollen alles tun, damit der technische Fortschritt zum Wohl der Menschen genutzt, die Risiken und Nebenwirkungen aber möglichst nicht spürbar werden. Wo Letzteres nicht geht, weil es kaum Rosen ohne Dornen oder, in meiner Fachsprache, keine Innovation ohne Risiko gibt, suchen wir nach guten Wegen zum verantwortlichen Umgang mit den negativen Folgen. Ich bin überzeugt, dass wir in einer offenen und demokratischen Gesellschaft eine gute Zukunft gestalten können.

Dennoch klingt der Titel meines Buches düster: Der Mensch könnte gegenüber Algorithmen und künstlicher Intelligenz und Robotern den Kürzeren ziehen. Viele machen sich Sorgen – auch ich. Auch einem Optimisten kann der Gedanke kommen, dass Folgenabschätzung und Ethik, dass Verantwortungsdebatten, engagierte Zivilgesellschaft und kluge Regulierungen möglicherweise nicht ausreichen, um die weitere technische Entwicklung auf einem menschenfreundlichen Weg zu halten. Die Sorge steht im Raum, dass wir die digitalen Geister, die wir mit guten Gründen gerufen haben, nicht nur nicht wieder loswerden, sondern dass sie uns auch noch das Heft aus der Hand nehmen könnten.

Ich unterscheide zwischen Sorgen und Angst: Sich Sorgen zu machen ist ein Dienst am Gemeinwohl und am Menschen. Sorgen rütteln uns aus Bequemlichkeit und Alltagstrott auf, sie schaffen Problembewusstsein, motivieren unser Engagement und Handeln. Angst hingegen lähmt uns und macht passiv. Angst kann dazu führen, dass wir wie das Kaninchen auf die Schlange starren und letztlich gefressen werden, statt uns Gedanken zu machen, wie das Problem gelöst oder die Situation entschärft werden könnte. Sorgen sind konstruktiv. Angst ist destruktiv.

So soll dieses Buch, kurz gefasst, den verbreiteten Sorgen über eine schnelle Digitalisierung und den ›unterlegenen Menschen‹ nachgehen, ihnen eine Stimme geben, sie ernst nehmen und auf ihren Gehalt prüfen. Dies wird gelegentlich zu einer Entwarnung führen, teils aber auch zur Bekräftigung der Sorgen. Relativ oft musste ich beim Schreiben feststellen, teils für mich selbst überraschend, dass die wirklichen Sorgen gar nicht die sind, die in Medien und Öffentlichkeit zurzeit sehr präsent sind. Sondern es taten sich hinter den viel diskutierten Fragen andere und tiefer gehende Probleme auf.

Ich hoffe, ein klein wenig dazu beitragen zu können, dass die weitverbreiteten Sorgen um die Digitalisierung und ihre möglichen Folgen nicht in einen passiven Fatalismus münden. Stattdessen würde ich mir ein zupackendes Engagement wünschen. Wir dürfen die Digitalisierung weder sich selbst noch den IT-Experten oder den globalen KI- und Datenkonzernen überlassen, sondern müssen aktiv auf ihre menschenfreundliche Gestaltung drängen. Denn darum geht es: die wunderbaren Potenziale von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Robotern zu unser aller Wohl und für eine gute Zukunft zu nutzen.“

Armin Grunwald, September 2018

1. Schöne digitale Zukunft?

Von Paradieserzählung und Untergangsbefürchtungen

„Eine volkstümliche Geschichte rankt sich um die Kölner Heinzelmännchen, die ehrbaren Leuten im Verborgenen unangenehme Arbeiten abnahmen. Digitale Technologien, Algorithmen, künstliche Intelligenz und Roboter werden gelegentlich wie die Heinzelmännchen der Zukunft beschrieben. Dem verbreiteten Wunsch geschuldet, die Technik möge uns von allen lästigen, langweiligen, schwierigen oder routinehaften Tätigkeiten entlasten, sollen digitale Helfer uns mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben freischaufeln. Einige dieser stillen Helfer gibt es schon, etwa Roboter zum Staubsaugen oder Rasenmähen. Andere sind in Arbeit wie der denkende Herd oder der vorsorgende, sprich selbst einkaufende Kühlschrank. Von anderen wiederum darf man bisher nur träumen: Ein Bügelroboter etwa, der die Bügelwäsche erledigt, während wir shoppen gehen, ist angesichts von Blusen mit verspielten Rüschen derzeit nicht wirklich vorstellbar.

Die Sprachenvielfalt auf der Erde sorgt zwar für kulturellen Reichtum, macht aber vieles sehr mühsam. Wie leicht wäre die Verständigung über alle Grenzen hinweg, wenn es das Sprachproblem nicht gäbe! Wenn der Sprachenwirrwarr, wie es in der Bibel steht, von Gott selbst verordnet wurde, um den menschlichen Übermut zu bremsen, war er damit offensichtlich ziemlich erfolgreich. Die Digitalisierung macht nun selbst lernende Übersetzungstools möglich, in die man Deutsch hineinsprechen kann, während der gleiche Inhalt am anderen Ende in Ungarisch, Suaheli oder Japanisch herauskommt, je nach gewählter Einstellung. Wenn diese Programme auch bei Weitem noch nicht perfekt sein mögen: Verglichen mit der Übersetzungssoftware von vor zehn Jahren, die meist nur krachendes Gelächter provozierte, ist der heutige Stand bereits beachtlich und für viele Alltagsdinge sehr hilfreich. Den Sprachenwirrwarr mittels Digitalisierung zu überwinden und Gott damit ein Schnippchen zu schlagen, wer würde das nicht begrüßen?

Die industrielle Massenproduktion mit ihrer Fließbandarbeit ist ein Beispiel aus der Arbeitswelt. Automatisierung und Digitalisierung versprechen, die in der Industrie arbeitenden Menschen von mechanischen und monotonen Tätigkeiten zu befreien, damit sie stärker ihre kreativen Fähigkeiten ausprägen und einbringen können. Hier könnte man mit Karl Marx sagen: Arbeit soll in der digitalen Zukunft nicht mehr entfremdet, sondern selbstbestimmt und selbstverwirklichend sein (siehe Kapitel 3).

Auch der menschliche Tod wird von der Digitalisierung nicht verschont. Wenn man unser Bewusstsein digital auf eine Festplatte herunterladen und dann in einen anderen, künstlichen Körper wieder hochladen könnte, wäre digitale Unsterblichkeit vielleicht möglich (siehe Kapitel 6). Das Bewusstsein könnte dann sozusagen in einen anderen Körper umziehen, wenn der alte am Ende ist. Auch wenn das Gelingen solcher Ideen mehr als spekulativ ist: Der Wunsch nach Verlängerung des Lebens bis hin zur Unsterblichkeit ist stark, und der israelische Historiker Yuval Noah Harari sieht die Unsterblichkeit bereits als das nächste große Menschheitsprojekt an.

Die Digitalisierung setzt die Fantasie in Bewegung wie zurzeit kaum ein anderes Feld. Manche Futuristen bleiben nicht beim Individuum stehen: Über das Internet oder seine Nachfolger sollen sich irgendwann die Gehirne dieser Welt zu einer globalen Superintelligenz zusammenschließen und dann den Kosmos besiedeln. Dabei ist die Grenze zwischen haltloser Spekulation und realistischen Erwartungen oft nur schwer zu finden.

Allerdings begleiten die Digitalisierung auch Untergangserzählungen. Das Ende des Menschen sei absehbar – er sei zunehmend seinen eigenen digitalen Geschöpfen unterlegen. Schon seit über zwanzig Jahren ist der Computer besser als ›unser‹ Schachweltmeister, und im Jahre 2017 ist auch der König aller Brettspiele, das japanische Go, der Übermacht eines Algorithmus erlegen. Roboter sollen bessere Pflegekräfte werden als Menschen, weil sie unermüdlich sind und nie schlechte Laune bekommen, autonome Autos sollen uns viel sicherer durch den chaotischen Verkehr bringen als menschliche Autofahrer, Arztroboter sollen das gesamte Wissen ihrer Zunft ständig parat haben, auf Big Data gestützte psychologische Ferndiagnosen den Termin auf der Couch ersetzen, und so gehen die Geschichten weiter. Obwohl die digitale Technik von Menschen gemacht wird und sich nicht selbst herstellen kann, jedenfalls noch nicht, ist sie häufig schon besser als ihre Schöpfer. …“

Pressestimmen:

  • www.media-spider.com, 12/2018: „…“

Eigene Meinung / Beurteilung des Buches:

Fazit:


„Der rasante Vormarsch künstlicher Intelligenz
könnte uns vergleichend gesehen vom Menschen zum Wurm werden lassen.“

Kersten Kämpfer (*1958),
Dr.-Ing. der Technischen Kybernetik und Automatisierungstechnik.

Buchcover:

Der unterlegene Mensch - Die Zukunft der Menschheit im Angesicht von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Robotern - von Prof. Dr. rer. nat. Armin Grunwald ist erschienen im Riva Verlag

Der unterlegene Mensch – Die Zukunft der Menschheit im Angesicht von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Robotern – von Prof. Dr. rer. nat. Armin Grunwald ist erschienen im Riva Verlag


Verlag: Riva Verlag (5. November 2018).
Seitenanzahl: 250 Seiten.
Bindung: Gebundene Ausgabe.
ISBN-10: 3-742-30718-5.
ISBN-13: 9-783742-30718-7.
Preis: EUR 19,99.


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