Folge dem weißen Kaninchen

… in die Welt der Philosophie

Autor: Philipp Hübl
Übersetzer: ./.
Illustrator: ./.

Klappentext: „Philipp Hübl führt intelligent und unterhaltsam in die moderne Philosophie ein und gibt klare Antworten auf die großen Fragen des Lebens: Gibt es Gott? Kann man ohne Gefühle leben? Sind wir frei in unseren Entscheidungen? Haben Träume eine Funktion? Warum ist uns Schönheit so wichtig? Hat der Tod einen Sinn?

Wer dem weißen Kaninchen folgt, sieht das Wunderland der Wirklichkeit mit neuen Augen. Es ist eine Jagd mit reicher Beute, hin und her, querweltein, durchs ganze Leben und zurück.

»Die Philosophie beginne mit dem Staunen, sagt Aristoteles, oder gar mit einem kindlichen Staunen, wie viele behaupten. Das stimmt allerdings nur, wenn man mit ›Philosophie‹ wie die antiken Griechen ›Wissenschaft‹ meint. Kinder sind von klein auf Forscher, aber sie sind noch keine Philosophen. Die kindliche Neugierde ist eine naturwissenschaftliche. Kinder wollen wissen, wie die Welt funktioniert: Löffel fallen lassen, Geräusch, Löffel fallen lassen, Geräusch. Sie fragen, warum es dunkel wird oder wo der Wind ist, wenn er nicht weht, lange bevor sie wissen wollen, ob Gott existiert oder was Gerechtigkeit ist.

Während die Naturwissenschaft Warum-Fragen beantwortet wie ›Warum fällt der Stein zu Boden?‹ oder ›Warum teilen sich die Zellen?‹, stellt die Philosophie die dazu passenden Was-Fragen: ›Was ist Verursachung?‹ oder ›Was ist Leben?‹. Philosophen fragen nach dem Wesen der Dinge.

Die Philosophie ist eine Wissenschaft der Begriffe, also der grundlegenden Kategorien des Denkens: Raum und Zeit, Sprache, Vernunft, Bedeutung, Wahrheit, Wissen, Verursachung, Bewusstsein, Gut und Böse, Wahrnehmung, Handlung, Mensch, Gerechtigkeit. Naturwissenschaftler wollen wie Kinder wissen, warum etwas passiert. Philosophen hingegen gehen in ihrer Neugier dem Alltäglichen auf den Grund.«

Eine Leseprobe:

Einleitung – Dem Kaninchen auf der Spur

„Als Alice im Garten spielt, hoppelt plötzlich ein weißes Kaninchen vorbei, das irgendetwas vor sich hin murmelt. Sie rennt ihm nach, fällt in den Kaninchenbau und gelangt so ins Wunderland. Alice reist von der Wirklichkeit in eine Phantasiewelt. Und wieder zurück. Lewis Carroll, der Autor von Alice im Wunderland, war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Logiker und Philosoph. So entpuppt sich das Wunderland beim zweiten Lesen als ein Ort voller philosophischer Rätsel: Kann man schon vor dem Frühstück sechs unmögliche Dinge denken? Kann Humpty Dumpty die Bedeutung seiner Worte selbst festlegen? Kann die Grinsekatze komplett verschwinden, während ihr Grinsen zurückbleibt?

Im Film The Matrix geht die Reise in die umgekehrte Richtung. Neo, die Hauptfigur, sieht auf seinem Computerbildschirm die Nachricht »Folge dem weißen Kaninchen«. Kurz dar auf klingelt es an seiner Tür. Eine Frau, auf deren Schulter ein Kaninchen tätowiert ist, lädt ihn zu einer Party ein. Neo trifft den mysteriösen Morpheus, der ihn zwischen einer roten und einer blauen Pille wählen lässt. Neo nimmt die rote und reist aus seiner grünlich eleganten Phantasiewelt in die dunkle, rohe Wirklichkeit. Und kehrt mit geöffneten Augen wieder zurück. Wie Carroll haben die Regisseure Andrew und Lana (ehemals Laurence) Wachowski mit der Matrix einen Ort voller philosophischer Rätsel erschaffen: Könnte die ganze Welt eine Illusion sein? Können Maschinen denken? Haben wir einen freien Willen, oder ist alles Schicksal?

Wenn wir uns philosophische Fragen stellen, gehen unsere Gedanken auf Wanderschaft. In der Philosophie sind die Metaphern der Fortbewegung wie »Wanderschaft« oder »Reise« allgegenwärtig. Immanuel Kant beschreibt das Philosophieren als »sich im Denken orientieren«. Ludwig Wittgenstein zufolge hat ein philosophisches Problem die Form »Ich kenne mich nicht aus«. Ziel der Philosophie sei es, der »Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas« zu zeigen. Fliegengläser sind unten offen und oben geschlossen. Hat die Fliege sich einmal da hin ein verirrt, ist sie gefangen, denn sie will immer nach oben. Aus dem Glas findet sie so schwer wieder hin aus wie Menschen aus dem Wunderland oder der Matrix.

In diesem Buch können Sie dem weißen Kaninchen in ein anderes Wunderland folgen: die Wirklichkeit. Denn wer durch die philosophische Brille schaut, sieht Altbekanntes mit einem schärferen Blick. Die besten Entdeckungsreisen sind nicht die, bei denen man fremde Länder bereist, sondern die, bei denen man die Welt mit anderen Augen sieht, wie es bei Marcel Proust sinngemäß steht. Es ist eine Jagd mit reicher Beute, hin und her, querweltein, durchs ganze Leben und zurück.

Wir können wie gewohnt in den Supermarkt gehen oder gleichzeitig dar über nachdenken, ob ein Einkauf unsere Willensfreiheit auf die Probe stellt. Wir können ganz unbedarft die Oper besuchen oder uns dabei überlegen, ob wir die Walküre vielleicht bloß deshalb schön finden, weil wir zu einer Gruppe dazugehören wollen. Wir können einen Joint rauchen und es einfach nur genießen oder uns zusätzlich fragen, ob wir so unser Bewusstsein verengen oder erweitern und was damit überhaupt gemeint sein soll. …

Lassen Sie mich durch, ich bin Philosoph!

Wer auf einer Party zugibt, dass er Philosophie studiert oder gar unterrichtet, steht immer wieder einer Mischung aus Bewunderung und Befremden gegen über. Manchmal überwiegt die Bewunderung, weil man die großen Rätsel der Menschheit in Angriff nimmt, manchmal das Befremden, weil man sich mit so wahnsinnig lebensfernen Themen befasst. Dar auf folgen immer die gleichen Fragen, zum Beispiel: »Wer ist dein Lieblingsphilosoph?«, als seien Philosophen Schriftsteller, Schauspieler oder Regisseure. Die einzig passende Antwort ist »Woody Allen«, denn der ist alles gleichzeitig. Die zweite typische Frage lautet: »Warum Philosophie?«  Ganz ehrlich: Das frage ich mich auch jeden Tag. Fodor hat eine gute Antwort. Er sagt: Die Bezahlung ist schlecht, der Fortschritt ist langsam, aber man lernt spannende Leute kennen. Die dritte typische Frage ist oft von einem besorgten Blick begleitet: »Und was macht man damit?« Ich war viele Jahre Studienberater am Philosophischen Institut. Zuerst habe ich immer meinen Standardsatz aufgesagt: Philosophen arbeiten in Verlagen, in den Medien, in der Politik und in der Unternehmensberatung. Dann habe ich gemerkt, dass es wirkungsvoller ist, Absolventen der Philosophie aufzuzählen, die etwas aus ihrem Leben gemacht haben: Bruce Lee, Martin Luther King, Papst Benedikt XVI.

Wittgenstein, der immer eine starke Metapher aus dem Ärmel schütteln konnte, sagt, die Philosophie sei ein »Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache«. Heute sind Philosophen Ärzte ohne theoretische Grenzen, die nicht nur Sprachverwirrungen therapieren, sondern Unsinn in allen Lebenslagen entlarven. Sie arbeiten mit einem Wahrheitsdetektor, der Alarm schlägt bei den Worthülsen der Politik, der Propaganda der Werbung, den Klischees des Kinos und den Fehlschlüssen in Fernsehsendungen und Zeitungsberichten. Trotzdem ist die These weit verbreitet, die Philosophie erfülle keine gesellschaftliche Funktion. Philosophen haben selbst zu diesem Vorurteil beigetragen. Georg Wilhelm Friedrich Hegel meint, die Philosophie käme immer zu spät, nämlich dann, wenn schon nichts mehr zu ändern sei: Die »Eule der Minerva«, also die allegorische Weisheit, beginne erst « mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug ». Das weiße Kaninchen jedenfalls ist schon im Morgengrauen wach und schlägt bei Sonnenaufgang seine Haken. …“

Pressestimmen:

  • www.media-spider.com, 05/2014: „…“
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Hübls locker und luzide geschriebene Einführung ist wärmstens zu empfehlen.“

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Eigene Meinung / Beurteilung des Buches:

Fazit:

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„Primum vivere, deinde philosophari.
Zuerst leben, dann philosophieren.“

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Verlag: rororo Verlag, 3. Auflage (1. August 2012).
Seitenanzahl: 352 Seiten.
Bindung: Taschenbuch.
ISBN-10: 3-499-62479-6.
ISBN-13: 9-783499-624797.
Preis: EUR 11,99.


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