Der erste Stellvertreter

Papst Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus

Originaltitel: The Pope and Mussolini

Programmlinie: Wissen Sachbuch

Autor: Prof. David I. Kertzer

Aus dem Englischen von Martin Richter

Klappentext:

Der geheime Pakt des Vatikans

„Er galt als der gute Stellvertreter Gottes auf Erden. Er galt als der Papst, der dem Faschismus die Stirn bot: Pius XI. Bis jetzt. In seiner bahnbrechenden Arbeit kommt David Kertzer in den Archiven dem unheilvollen Pakt zwischen Papst Pius XI. und Mussolini auf die Spur – und entdeckt das ganze Ausmaß der faschistischen Verstrickung des Vatikans.“

„Zwei Stellvertreter Gottes standen dem Faschismus gegenüber: Der eine Papst schwieg öffentlich zum Holocaust. Sein Vorgänger, Papst Pius XI. (1857-1939), galt als der Papst, der dem Faschismus die Stirn bot. Bis jetzt.

In der packenden Geschichte über die Geheimbeziehungen des Vatikans zur faschistischen Führung wird deutlich, dass sich Mussolini und Pius XI. zwar hassten, sich aus Gründen des Machterhalts aber dennoch stützten. Der ungebildete, ungläubige Duce und der gottesfürchtige Kleriker schlossen einen verhängnisvollen Pakt. Erst mit Einführung der Rassengesetze 1938 und der immer größer werdenden Nähe zu Nazi-Deutschland, dämmerte es Pius XI., mit wem er da paktiert hatte. Als er starb, konnte sein Nachfolger Eugenio Parcelli diesen Pakt fortsetzen. David Kertzers bahnbrechende Arbeit, die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, enthüllt das ganze Ausmaß der faschistischen Verstrickung. Auch dank der jüngsten Öffnung des Vatikanarchivs.“

Presseinformation des Verlags:

„Der erste Stellvertreter“ –
Pulitzer-Preisträger enthüllt die unheilvolle Beziehung
zwischen Mussolini und dem Vatikan /
erscheint im September im Theiss Verlag

Mussolini und der Vatikan: „Der erste Stellvertreter“
von Pulitzer-Preisträger David I. Kertzer / neu bei Theiss

„Nach vierzehn Wahlgängen hieß es am 6. Februar 1922 endlich: „habemus papam“. Der Mailänder Erzbischof Achille Ratti trat als Papst Pius XI. vor die jubelnde Menschenmenge auf dem Petersplatz in Rom. Italien durchlebte damals stürmische Zeiten: Nach dem Ersten Weltkrieg lag die Wirtschaft am Boden. Die Bevölkerung war unzufrieden mit den politischen Führern ihres Landes. Die Sozialisten verloren an Macht. Die Faschisten gewannen an Popularität. Ihr Führer war der Populist und Provokateur Benito Mussolini, der mit seinem „Marsch auf Rom“ schließlich die Macht an sich reißen sollte. Ohne die Unterstützung des Vatikans und die Rückendeckung durch den neuen Papst wäre Mussolinis Machtergreifung nicht denkbar gewesen. Dies enthüllt der US-amerikanische Historiker David I. Kertzer in seinem bahnbrechenden und mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Buch „Der erste Stellvertreter. Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus“, das am 15. September in deutscher Übersetzung im Theiss Verlag erscheint.

Lange hat sich der Mythos gehalten, der Vatikan hätte dem italienischen Faschismus heldenhaft die Stirn geboten, die Päpste seien Gegner der Diktatur gewesen und die „Katholische Aktion“ als kirchliche Organisation der Laien eine der stärksten Oppositionskräfte. „Leider“, so urteilt Kertzer, „hat diese Geschichte wenig mit der Wirklichkeit zu tun.“ Denn der Vatikan habe eine zentrale Rolle dabei gespielt, „das faschistische Regime möglich zu machen und es an der Macht zu halten“. Kertzer fasst die bahnbrechenden Ergebnisse seiner Forschungen so zusammen: „Die Katholische Aktion arbeitete eng mit den faschistischen Behörden zusammen, um die Repressionen der Polizei zu unterstützen. Die Kirche protestierte keineswegs gegen die Behandlung von Juden als Bürger zweiter Klasse, sondern lieferte Mussolini die stärksten Argumente für die Einführung solcher harten Maßnahmen. Wie ich gezeigt habe, schloss der Vatikan mit Mussolini einen geheimen Handel, die antisemitischen Rassengesetze nicht zu kritisieren, wenn katholische Organisationen besser behandelt würden.“

Mehr als sieben Jahre hat Kertzer in seine Forschungen investiert, die bei ihrer Veröffentlichung im Jahr 2015 große Wellen schlugen. Journalisten und Wissenschaftler feierten ihn für sein Buch, das nicht nur eingehend die Geschichte dieser verhängnisvollen Verbindung zwischen Mussolini und dem Vatikan hinterfragt und beleuchtet, sondern diese auch packend und mitreißend erzählt. „Eine faszinierende und tragische Geschichte“, lobte die Zeitschrift The New Yorker.

Diese Geschichte konnte endlich enthüllt werden, weil der Vatikan im Jahr 2006 seine Archive für die dramatische Periode unter Pius XI. öffnete. Kertzer zeigt auf, dass der Papst und Mussolini trotz ihrer offensichtlichen charakterlichen Unterschiede vieles gemein hatten: Denn beide hatten ein überaus aufbrausendes Temperament und beide waren durch und durch Antidemokraten. Er rückt zudem auch Männer in den Fokus, die für diese nicht unproblematische Beziehung eine wichtige Rolle gespielt haben; wie beispielsweise der Jesuitenpater Pietro Tacchi Venturi, der als Mittelsmann des Papstes bei Mussolini agierte. Papst Pius XI. aber hat viel zu spät, erst am Ende seines Lebens, realisiert, dass er einen Pakt mit dem „Teufel“ eingegangen ist …

Mit „Der erste Stellvertreter“ bringt Kertzer erstmals die volle Wahrheit über diese tragische und dramatische Episode Italiens und des Vatikans ans Tageslicht – ein Buch, das selbst Geschichte schreiben wird.

Übrigens: David I. Kertzer wird sein Buch am 21. September in Hamburg anlässlich des 51. Deutschen Historikertags vorstellen. Der Tag steht unter dem Motto „Glaubensfragen“. Der Autor steht um dieses Datum herum für Interviews zur Verfügung.“

Eine Leseprobe:

„Im Umgang mit dem Papst setzte Mussolini seine gut austarierte Mischung aus Druck und Belohnung fort. Während Schlägerbanden Funktionäre und Büros der Volkspartei angriffen, stellte er sich als den Einzigen dar, der diese übereifrigen Faschisten kontrollieren konnte. Gleichzeitig überschüttete er die Kirche mit Geld und Privilegien. Er setzte ein neues Gesetz durch, das es der Polizei erlaubte, jeden Chefredakteur zu entlassen, dessen Zeitung es an Respekt gegenüber dem Papst oder der katholischen Kirche fehlen ließ. Er beugte sich der Forderung des Vatikans, nur von der Kirche genehmigte Bücher für den Religionsunterricht in den Schulen zu benutzen. Er stimmte der Schließung der Spielhallen zu. Er ließ die Katholische Universität in Mailand staatlich anerkennen, erklärte seine Gegnerschaft gegen die Scheidung und rettete die Banca di Roma, die eng mit dem Vatikan verbunden war und vor dem Bankrott stand. In den Schulen wurden wieder Kruzifixe aufgehängt und kirchliche Feiertage in den staatlichen Kalender aufgenommen. Er unterstützte großzügig den Wiederaufbau von Kirchen, die im Krieg beschädigt worden waren. Die Liste ließe sich fortsetzen.24

Der Papst wusste sehr wohl, dass die Unterstützung, die Mussolini im Gegenzug von der Kirche erhielt, unbezahlbar war. Im September 1923 legte der Vatikan dies in einem »Programm der Zusammenarbeit der Katholiken mit der Regierung Mussolini« nieder. Mussolini hatte erkannt, so das Dokument, dass es ihm nützen werde, wenn er weniger abhängig von den Faschisten sei, die ihn an die Macht gebracht hatten. Sie seien ein undisziplinierter Haufen, den er nicht völlig kontrollieren könne. Er brauche »eine neue Masse« zu seiner Unterstützung, am besten Katholiken, die an Befehle von oben gewöhnt waren. Einige in der Kirchenhierarchie seien anfangs zwar skeptisch gewesen, müssten aber nun ihren Irrtum eingestehen: »Sie mussten zugeben, dass keine italienische Regierung und vielleicht keine auf der ganzen Welt in einem einzigen Jahr so viel für die katholische Religion hätte tun können.«“

Pressestimmen:

  • www.media-spider.com, 09/2016: „…“
  • Prof. Dr. Hubert Wolf: „Wer sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, kommt an diesem Buch nicht vorbei.“
  • Joseph J. Ellis, Pulitzer-Preisträger: „Ein anspruchsvoller Blockbuster.“
  • The New Yorker: „Kertzer [erzählt] die faszinierende und tragische Geschichte der eigennützigen Unterstützung des Vatikan für Mussolini in seiner frühen und verwundbaren Phase.“
  • San Francisco Chronicle: „Fesselnd … der wahre Da Vinci Code – aber akribisch dokumentiert und viel weniger an den Haaren herbeigezogen.“
  • The Guardian: „Fesselnd erzählt … ein Buch, dessen narrative Kraft ebenso beeindruckt wie sein moralisches Feingefühl … Kertzer hat eine faszinierende Geschichte von zwei reizbaren – und oft irrationalen – Potentaten entdeckt, schildert ihre undurchsichtigen Intrigen und zeigt, wie sie Macht ausübten – mit teils verblüffenden Ergebnissen.“
  • The Sunday Time: „Ein neuer Maßstab für das Studium des Papsttums.“

Eigene Meinung / Beurteilung des Buches:

Der Autor David I. Kertzer analysiert in seinem Buch »Der Erste Stellvertreter – Papst Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus« das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche unter Papst Pius XI. und des politischen Systems des Faschismus in Italien unter der Herrschaft Benito Mussolinis. Anhand intensiver Nachforschungen in staatlichen und kirchlichen Archiven sowie die Öffnung der vatikanischen Archive dieser Zeit setzt David I. Kertzer seine Forschungsergebnisse Mosaik für Mosaik zu einem völlig neuen Bild zusammen. David I. Kertzer nimmt Papst Pius XI. – das Oberhaupt der katholischen Kirche – in die Pflicht, seiner Verantwortung und den hohen Anforderungen seines Amtes zu entsprechen. Wie kein anderer belegt der Autor, dass Papst Pius XI. auch durch seine eigenen Wesensmerkmale, wie beispielsweise sein aufbrausendes Temperament, dieses Ziel verfehlt hat. Auf der anderen Seite weist er dem Kirchenfeind und Faschistenführer Benito Mussolini nach, wie dieser geschickt durch Papst Pius XI. die Unterstützung der katholischen Kirche erhält. Spannend schildert David I. Kertzer wie diese beiden ehrgeizigen Männer – Papst Pius XI., der einen kirchlichen Staat wollte, und Benito Mussolini, der einen faschistischen Staat wollte – sich gegenseitig ihre Machtpositionen sicherten.

Fazit:

Der Autor schreibt hochinteressant über geheime Verhandlungen, gegenseitige Zugeständnisse und Abkommen zwischen Pius XI. und Mussolini. Ein sehr informatives Buch für alle, die sich geschichtlich interessieren und gerne wissen möchten, welche Rolle die katholische Kirche zurzeit des Faschismus in Italien (1921 – 1943) spielte.

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„Der Papst macht immer wieder die alten Kardinalfehler.“

Manfred Hinrich (1926 – 2015),
Dr. phil., deutscher Philosoph, Philologe, Lehrer, Journalist.

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Buchcover:

Der erste Stellvertreter - Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus - von David I. Kertzer ist erschienen im Konrad Theiss Verlag

Der erste Stellvertreter – Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus – von David I. Kertzer ist erschienen im Konrad Theiss Verlag

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Verlag: Theiss Verlag GmbH, 1. Auflage (1. September 2016).
Seitenanzahl: 656 Seiten.
Bindung: Gebundene Ausgabe.
ISBN-10: 3-806-23382-9.
ISBN-13: 9-783806-23382-7.
Preis: EUR 38,00.


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